Wenn der Zahn (ver)schwindet

 

zak - SIGNET rgb

ZBVGemeinsame Presseinformation:Zahnärztlichen Arbeitskreises

Kempten e.V.Zahnärztlichen Bezirksverbandes Schwaben, K.d.ö.R.

 

Kempten, 25.03.2014

 

Es gibt unterschiedliche Erkrankungen im Mundraum. Am bekanntesten dürfte die Karies sein. Auch von der Parodontitis (umgangssprachlich: Parodontose) hat sicherlich schon jeder gehört. Der Kemptener Teamday, eine Fortbildungsveranstaltung des Zahnärztlichen Arbeitskreises Kempten für Zahnärzte/innen und Praxismitarbeiterinnen, befasste sich am Wochenende mit einem Thema, das schleichend daher kommt: dem Verlust von Zahnhartsubstanz verursacht durch mechanischen Abrieb bzw. durch Säureangriff auf die Zähne.

 

„Die Ursachen und die Entstehung sind vielfältig“, sagte Dr. Ralph Heel (Meitingen), Leiter des Kemptener Teamday vor 200 Zahnärztinnen und Zahnärzten im Kornhaus von Kempten.  „Nur wenn wir Zahnärzte genau wissen, was es denn nun ist und wie die jeweilige Form entstanden ist, können wir auch ursächlich therapieren!“ Erkennbar ist der Verlust von Zahnschmelz beispielsweise durch flache, muldenförmige Einbuchtungen am Zahn, die im Lichtschein nicht mehr glänzen. Im fortgeschrittenen Stadium sehen die betroffenen Zähne wie abgenagt aus und ragen nur noch wenige Millimeter über den Zahnfleischrand hinaus.

 

Die Ursachen können mechanischer Art sein – durch zu intensives Zähneputzen in Verbindung mit Zahnpasten mit hohem Schmirgelstoffanteil, durch zu starken Druck mit der Zahnbürste oder durch Bestandteile in der Nahrung, die einen Schmirgeleffekt haben. Auch Zähneknirschen ist schädlich durch den Kontakt der Zähne miteinander. Häufig sind die Ursachen aber chemischer Art, von Zahnärzten „dentale Erosion“ genannt. Zwar gehören Zahnschmelz und Dentin, also Mantel und Kern des Zahnes, zu den härtesten Stoffen im menschlichen Körper, sie sind jedoch säureempfindlich. Der Genuss von säurehaltigen Lebensmitteln (z.B. Erfrischungsgetränke, Wein, Früchte, Säfte, Essig), aber auch die Einnahme säurehaltiger Medikamente (z.B. Vitamin C, Acetylsalicylsäure, Eisenpräparate, Mundspüllösungen) führen nach Angaben von Professor Dr. Thomas Attin, Direktor der Klinik für Präventivmedizin, Parodontologie und Kariologie der Universität Zürich,  zu einem messbaren Verlust von Mineralien. Auch Probleme mit dem Verdauungsapparat (z.B. Reflux der Magensäure) können ursächlich für die dentale Erosion sein.

 

Zu den klassischen Risikogruppen in Bezug auf Verlust von Zahnschmelz und Dentin gehören laut Professor Attin Lacto-Vegetarier und Patienten mit Problemen des Verdauungsapparates oder mit Ess-Brechstörung. Betroffen sein kann aber jeder durch seine Lebensgewohnheiten. Der Verlust von Zahnhartsubstanz durch dentale Erosion basiert auf chemischen Prozessen, die im Mundraum ablaufen. Anders als bei der Karies sind hier keine zersetzenden Bakterien im Spiel. Vielmehr werden den Zähnen beim „Säureangriff“ Mineralien entzogen, sie werden sozusagen „entkalkt“, Kalzium-Phosphat wird entzogen.

 

„Die Spuren sind nicht sofort sichtbar, aber wer über Obst und Säfte oder Wein viel Fruchtsäure aufnimmt,  kann betroffen sein“, betont Christian Berger, Vorsitzender des Zahnärztlichen Bezirksverbandes Schwaben (ZBV Schwaben). „Der Verlust von  Zahnhartsubstanz durch Säure ist kein schmerzhafter Prozess, aber am Ende kann es dazu führen, dass Schmelz und Dentin soweit abgetragen sind, dass Temperaturwechsel Schmerzen hervorrufen und eine zahnärztliche Behandlung notwendig wird“.

 

Wie lässt sich vorbeugen? „Ein bisschen Kalzium macht eine Menge aus“, sagt Professor Attin. Kalzium ist beispielsweise in Milch enthalten, auch die Kalziumtablette im Fruchtgetränk kann helfen. Weitere Tipps vom Experten: Mit dem Strohhalm trinken, damit die Säure nicht an die Zähne gelangt. Nicht mehr aktuell sind Hinweise, wonach erst eine Stunde nach dem Genuss des Fruchtcocktails die Zähne geputzt werden sollten. „Lieber 5 Minuten vorher“, rät Attin, „dann ist der Substanzverlust weniger hoch, als wenn man direkt nach dem Essen putzt.“ Hochkonzentrierte Fluoridpräparate oder eine Fluoridierung beim Zahnarzt helfen beim Schutz der Zähne ebenfalls.

 

Während der Verlust der Zahnhartsubstanz Hauptthema bei den Zahnärzten/innen war, beschäftigten sich die 250 Teilnehmerinnen des Programms für zahnärztliche Assistenzberufe u.a. mit der Zahnbehandlung bei älteren und immobilen Patienten. Dort sprach u.a. Dr. Axel Kern (Aichach), Referent für zahnärztliches Personal des ZBV Schwaben.

 

media-dent
Agentur für Pressearbeit, Public Relations und Kommunikation Anita Wuttke